Testbericht TS100 Lötkolben: Gut oder Kernschrott aus China?

Es gibt 2 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Silversurfer.

  • Lötkolben, eine Sache für Sich. Eine teuere Sache...

    Zu mir: Ich habe von der "Oldschool" Weller PU 81 bis zur Tausende Euro teuren Volldigitalen ERSA Lötstation schon alles gehabt, alt bis neu, halb Repariert oder schon fast Defekt. Auch habe ich von SMD bis Trough Hole so ziemlich alles Dabei was es zum Löten gibt.


    Daheim habe ich erstens wenig Platz, zweitens wollte ich nicht Tausende Euro für eine ERSA/Weller Lötstation ausgeben. Die Stationen auf der Arbeit verwöhnen einen doch sehr.
    Dann bin ich auf den TS-100 aufmerksam geworden. Dachte mir: Kann das was gutes sein für 65€ (war aus Deutschland, daher etwas teuerer)? Nun, 65€ habe ich Riskiert, es hat sich meines Erachtens gelohnt.

    Features:



    Spannung: 12-24V
    Buchse: Innenpol Positiv, Außenpol Negativ, Außenpol 5.4mm Durchmesser

    Max. Leistung: 65W bei ca. 18-24V
    Min. Leistung: 45W bei ca. 9-12V
    Temparaturbereich: 50-450 Grad

    Display: OLED Matrix, Monochrom
    Spitzen: Wechselbar, Integriertes Heizelement, mit Schraube gesichert
    Heizelement Typ: Keramisch
    Gehäuse: Leitender Kunststoff (wahrscheinlich ABS)
    Erdungsanschluss: Vorhanden, Schraubbar

    Löten mit dem TS100:

    Zuerst sollte man sich sicher sein, dass man ein Netzteil mit Idealerweise 19V und Möglichst 70W verwendet. Ein Standart Laptop Netzteil erfüllt diesen Zweck.
    Dann schließt man den Kolben an und er "Bootet". Der Boot sieht je nach Firmware anders aus, dazu später mehr.

    Nun Startet man die Aufheizung, (1. Taste drücken, die die näher an der Spitze dran ist) der Lötkolben zeigt die Temparatur im Display. Über die beiden Tasten kann man die Temparatur vorwählen, welche der Kolben dann verwendet.
    Wenn man "nur" 12V zum Löten hat, sinkt die Leistung auf um die 45W, was für die Meisten Anwendungen mehr als ausreicht.

              
    Lötkolben am Aufheizen. Aufgeheizt mit "Boost" (Erkennbar am Pfeil)

    Ich habe eine etwas dünnere Spitze (Modellbezeichnung TS-B2) welche an der Spitze 1,3mm Dick ist. Ich habe bisher damit SMD gelötet (PLCC2, 0805, 1206), ebenso viele Kabel und Durchsteckbauteile (Dioden, Kondensatoren, Sicherungen).
    Der Lötkolben hatte immer genug Leistung, außer man wollte auf einer großen Kupferfläche (viel Kupfer um das Bauteil) was auslöten/löten, dann kam der auch ins Straucheln. Da braucht man dann 120W aufwärts und dicke Lötspitzen.


    1,3mm Dicke an der dünnsten Stelle.

    Die Thermische Verbindung von Heizelement zur Spitze (billige Lötkolben werden teilweise erst nach 2-3 Minuten an der Spitze richtig heiß) ist Exzellent. Wenn das Heizelement Solltemparatur hat, hat es die Spitze nach paar Sekunden ebenso. Gefällt, da dann Sofort Löten möglich ist. Auch ist die Spitze sehr Stabil und gut Gearbeitet, das Lot haftet gut an, ebenso gibt es keine "schlechten" Stellen an denen sich das Lot nicht anhaften möchte.

    Der Massive Vorteil des TS-100 ist: Er ist Mobil. Heißt: Will man im KFZ was Löten, einfach den Kolben an den Zigarettenanzünder und schon kann man Kabelbäume flicken oder Verzweigungen einlöten. Auch im Modellbau, Haushalt etc. kann er Glänzen, da der wirklich nur Strom benötigt und Lötzinn. Und durch 12-24V sind eigentlich alle gängigen Netzteile abgedeckt.
    Auch lassen sich durch die Kompakte Größe auch im PC einige Verbindungen (LED Strips, Lüfter) damit wunderbar Realisieren, auch eine Mainboard Reparatur hatte der kleine schon Gemeistert.

    Er schlug sich bisher gegen die ERSA wirklich gut, klar, 120W gegen die 65 des TS-100 sind bisschen schwer zu Vergleichen, aber man muss auch den Kostenfaktor (40€ ca. aus China) bedenken. Ich bin mit dem wirklich zufrieden und Löte gern, was heißt: Er ist ein guter Lötkolben.

    Er ist Qualitativ wirklich hochwertig gearbeitet auch liegt er gut in der Hand. Die Oberfläche hätte etwas mehr "Grip" vertragen, aber ist schon Meckern auf höherem Niveau.


    Schwächen:

    Natürlich hat er Schwächen, vor allem ist es die "Hecklastigkeit" durch das Kabel vom Netzteil welches man verwendet. Das ist auch ein Nachteil, es erfordert etwas eingewöhnung. Aber wenn man etwas Kabelmanagement betreibt oder das NT mit am Tisch ist, juckt es auch weniger.

    Die 65W sind zwar Top für alle Lötlagen, aber manchmal wäre so ein Overboost auf 80W Cool. Dieses Bedürfnis hatte ich auch nur weil ich an die 120W der ERSA gewöhnt bin. Aber etwas mehr Geduld und es ist kein Problem mehr.

    Auch hat der Kolben keinen "Abrutschschutz", da immer bisschen aufpassen ;) 

    Special "Effects":



    Startscreen der Custom Software. Der Stecker bedeutet das man "Netzbetrieb" gewählt hat
    es ist auch möglich Akkubetrieb an Li-Ion Akkus auszuwählen (2S, 3S etc.) Dann ist dort die Akkuanzeige.

    Er kann Software. Heißt: Der Kolben kommt Standardmäßig mit der Werkssoftware, die eigentlich gut ausgeführt ist. Aber die Werksseitige Software schönt den Realen Heizwert etwas, also glättet die Schwankungen besser aus. Aber die sind ja normal, da im "Leerlauf" ja die Watt runtergeregelt werden, während am Löten die z.T Signifikant ansteigen. Setzt man von einer Lötstelle ab gibt es den "Overshoot", also wie weit der Lötkolben von der Solltemparatur abweicht. Dies glättet die Standardsoftware.

    Ich habe mir von Github (Ich bin so frei und Verlinke es: https://github.com/Ralim/ts100 <-- Da habe ich meine Aktuelle her die man auf den Bildern sieht.

    Diese Software hat den Vorteil dass sie die reale Temperatur ohne Dämpfung anzeigt, also man sieht den Overshoot und wie die Temperatur schwankt. Auch bietet diese mehr Einstellungsmöglichkeiten als die Standardsoftware, ebenso ist diese auch auf Deutsch und hat ein "On-Screen Menü", was mein Lötkolben nicht hatte. Wurde aber in der OEM-Software ab V2.17 nachgereicht.


    Ebenso hat der Lötkolben besagtes OLED auf dem er Vieles Anzeigen kann, erklärt sich aber von Selber. Es ist immer gut Abzulesen, außer in der Sonne, da wird es etwas schwerer, Funktioniert aber :)

    Auch hat der Lötkolben (OEM und Custom Firmware) einen Ruhemodus, heißt: Nach 2 Min Stilliegen drosselt er von 360 auf 150 Grad zurück, schont das Heizelement. In der Custom Firmware kann man aber auch die Ruhetemperatur, nach wie vielen Minuten einstellen.
    Die Custom Firmware bietet auch einen Boost, da kann man von 240 auf eine Eingestellte Temperatur heizen in dem man die Vordere Taste gedrückt hält. Ganz Praktisch, aber deaktivierbar.


    FAZIT:


    Ein kleiner Lötkolben der verdammt viel auf der "Spitze" hat. Lötet gut, heizt zügig auf, lässt sich per Software auf das eigene Gusto anpassen und ist extrem Mobil. Für das Geld kann ich jedem Hobbybastler/Löter den Kolben ans Herz, äh, in die Hand legen. Klar, ein Weller PyroPen haut mehr Thermische Leistung raus, lässt sich aber alles andere als Genau regeln und kann Unter Umständen durch den Abgasstrahl mehr Kaputtmachen als er Repariert.

    Ich als Beruflicher Löter finde ihn Klasse, er hat mir den Wunsch nach einer kleinen Weller-Station so ziemlich erspart.

             
    Ansicht der Tasten. Der Kolben nochmal im gesamten. Die Tasten, davor die Schraube um die Spitze zu fixieren.




  • Sieht total cool aus!


    Ihn einfach mal zu testen reizt mich schon, weshalb ich mir das Ding wohl auch irgendwann organisieren werde :D


    Danke für dein Review :3

  • Kauf dir den auf jeden Fall.

    Ist gut Invertiertes Geld :D 

    Kein Ding, sowas ist doch recht Nützlich, besonders wenn man auch am PC irgendwas machen will. ^^

    Leidenschaftlicher Elektroniker und Autoliebhaber.